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Rupfhühner

Rupft sich ein Papageienvogel selbst, so hat dies meist seelische Ursachen - Einzelhaltung, Fehlprägung, zu wenig Freiflug oder falsche Fütterung werden meist als Hauptgründe für Selbstrupfen angeführt.

Auf dieser Seite:

Ursachen

Fügt sich ein Wellensittich selbst Schaden zu, so liegt die Ursache zumeist in schlechten Haltungsbedingungen. Weitaus seltener bedingen organische Defekte Störungen des Federkleides.

Ich möchte hier auf das rein durch Verhaltensstörungen verursachte Rupfen eingehen. Wie bekannt ist, gilt der einzeln gehaltene Wellensittich als Paradebeispiel.
Weshalb der sehr soziale Sittich auf Einzelhaltung sehr empfindlich reagiert, wird im Kapitel Allgemein ausführlich erläutert.

Was sollte man untersuchen lassen?

Wer organische Ursachen ausschließen möchte, kann folgendes untersuchen lassen:

Milben
Hautpilz
Ekzem
Federbalgzysten
PBFD
Polyoma
Leberschaden
Nierenschaden
Stoffwechselstörungen

In meinen Fällen war jeder Befund negativ. Was dennoch alles verschrieben wurde, zeigt einmal mehr, wie hilflos man im Falle des Rupfens ist:

  • Ivomec: gegen Milben, klarerweise ohne Wirkung
  • Mauserhilfe, Vitamine (Avi Conzept): keine Wirkung
  • Aminosäuren (ZVT Korvimin): keine Wirkung
  • Vitamin K1 (Konakion): keine Wirkung
  • Baytril (hautwirksames Antibiotikum): positive Wirkung auf die eitrigen Federfollikel
  • Engystol (homöopatisches Mittel zur Stärkung des Immunsystems): unklare Wirkung - der vierte Rupfer blieb über längere Zeit stabil - allerdings auch nach Absetzen des Mittels

Rupfen im Schwarm?

Frustrierend - wenn auch letztendlich sehr lehrreich - war für mich die Erfahrung, daß auch Vögel bei Schwarmhaltung rupfen können.
Ich hatte insgesamt vier Wellensittiche, die innerhalb meines Schwarmes plötzlich nackte Stellen bekamen und im Nachhinein als Selbstrupfer erkannt wurden.
Mittlerweile ist klar, daß es sich bei dieser reihenweise "Erkrankung" schlicht und einfach um psychisches Fehlverhalten handelte. Daß das Rupfen eine Folge schlechter Haltung war und als schlechte Angewohnheit nachgeahmt wurde, lag für mich lange Zeit nicht im Bereich des möglichen.

Gelöst hat die Frage letztendlich ein Besuch bei Dr. Janezcek, Papageienspezialist in München.

Eigene Erfahrungen

Die Angewohnheit des Rupfens wurde im Juni 1999 mit Urlaubsgästen in meinen Bestand eingebracht. Unter den Pflegevögeln befand sich ein "Rupfhuhn". Ursache war vermutlich die Dauerhaltung von zwei Pärchen in einem sog. Flugkäfig, wobei die vier Vögeln nicht besonders gut harmonierten. Ich behielt schließlich die Gäste und hoffte, daß sich das Rupfen bei geänderten Haltungsbedingungen (Freiflug) wieder legen würde.
Paula rupfte vermutlich bereits im Mai 1999, ein Monat bevor ich sie bekam. Der Vogel war damals zwei Jahre alt. Paula starb im März 2000.
Die nächsten beiden Weibchen zeigten ab Februar 2000 die ersten Symptome, also acht Monate nachdem ich Paula aufgenommen hatte. Schmidtchen war drei Jahre alt, Luna fünf. Ich ließ beide im Mai 2000 einschläfern.
Seit Juli 2000 rupft der vierte Vögel, diesmal ein Männchen. Er ist zwar der nervöseste aller noch verbliebenen vier Männchen, dennoch eskalierte bei ihm die Rupferei lange nicht so extrem wie bei den Weibchen. Die Lücken wurden zwar stetig, aber langsam immer größer und seine Haut entzündet sich nicht. Heute, vier Jahre später, sieht Koall zwar schon etwas bemitleidenswert aus, ist aber noch immer munter und ansonsten gesund.

Die Symptome

Die Beschreibung "der Krankheit" möchte ich hier so stehen lassen, wie ich das ganze damals miterlebte. Es zeigt, wie sehr man auf eine falsche Fährte geraten kann. Ich habe versucht, die einzelnen Stadien der Krankheit anhand von Photos verschiedener Vögel zu ordnen.

Der Beginn

Die ersten Anzeichen sind leise: Die Putzbewegungen sind um eine Spur hektischer als üblich. Einzelne Federn werden bereits jetzt ausgezupft. Betroffen waren als erstes die Region zwischen den Schulterblättern, die Innenseite der Schenkel sowie der Bereich unter den Flügeln, was beim sitzenden Vogel nicht zu sehen war. Rechts ein Photo von Karl, dessen Lücken ich im frühesten Stadium fotographieren konnte.

Die ausgerupften Federn, die sich unter dem Lieblingsplatz des Vogels ansammelten, sahen allesamt "verändert" aus (rechts: Federn von Schmidtchen). Dabei handelt es sich wohl einfach um junge Federn, die ausgerupft werden, noch bevor sie ganz entfaltet waren. Zunächst waren nur die Deckfedern des Körpers betroffen, später auch die Dunenfedern des Körpers.

2 Monate

Die Lücken an Bauch und Rücken waren bei Paula nunmehr deutlich. Die meisten Deckfedern wurden bereits ausgerupft. Anmerkung: Da ich immer nur pinselförmige Federn fand, begann ich zu glauben, daß die Federn ausgerupft wurden, weil sie deformiert waren. Schließlich fing ich an, nach einer organischen Ursache zu suchen, die es - wie ich heute weiß - natürlich nie gab.

Bei Paula entzündete sich allmählich auch die Haut, die Follikel waren zum Teil eitrig. Die beschädigten Follikel konnten keine gesunden Federn mehr produzieren. Der Schaft der Federn war weich und verdickt, teilweise auch eitrig, und die Federn selbst sahen immer abnormaler aus. Rechts im Bild sieht man stiftförmige Deckfedern, die trotz ihrer Länge noch immer in ihrer Umhüllung stecken.

3 Monate

Nach dieser Zeitspanne waren alle drei betroffenen Weibchen an Brust und Rücken nahezu nackt. Dabei blieben sie agil und schienen neben dem Juckreiz keine Schmerzen zu haben. Sie fraßen jedoch normal und zeigten keine Verdauungstörungen.
Ich konnte allerdings bei allen Fällen ein erhöhtes Schmusebedürfnis feststellen (Bedarf nach Kraulen?) und eine gewisse Wärmeliebe. Körperlich zeigt sich eine langsame aber stetige Gewichtsabnahme.

Auch die Dunenfedern wurden mittlerweile ausgerupft und veränderten sich, sie zeigten ebenso wie die Deckfedern beginnende Polyfollikulitis.

Das vierte Rupfhuhn, ein Männchen, erreichte bis heute kein derartiges Stadium. Karl erkrankte im Mai 2000 und ist derzeit vor allem unter den Flügeln kahl. Seine Brust ist ein wenig lückig, aber nicht nackt. Am Rücken sieht es geringfügig schlimmer aus.

6 Monate

Die beiden Weibchen Luna und Schmidtchen ließ ich etwa nach drei Monaten einschläfern, da keine Hoffnung mehr bestand und die Haltung der beiden unzumutbar geworden war.
Paula, die rund acht Monate zuvor erkrankt war, gab mittlerweile den bereits deutlichen Polyfollikeln (Mehrfachkielen) keine Chance mehr zum Nachwachsen.

Ich fand nur noch degenerierte Federn - seltsame Gebilde, die kaum noch an Federn erinnerten. Im Bild einige Mehrfachkiele, die ich mit einer Pinzette auszupfte. Sämtliche Dreier- bzw. Zweierpakete kamen aus einer Pore!

Unteres Photo: vergrößerter Ausschnitt von obigem Photo: Die Haut war stark in Mitleidenschaft gezogen, aus einer Pore kamen bis zu vier Federkiele. Die Haut ringsum der Pore war stark gedehnt, die ausgerupften Mehrfachkiele hinterließen tiefe Löcher.

Ab diesem Zeitpunkt entschied ich mich bei Paula für eine Halskrause.

7 Monate

Die aufgrund der Krause nachwachsenden Federn sahen zunächst so steif aus wie auf diesem Photo. Durch Zerreiben der Stiele und häufiges Baden wurden die Federn wieder weicher, und die Follikel konnten sich offenbar durch die Krause ein wenig regenerieren.
Äußerlich wurde Paula etwas ansehnlicher, aber die Gewichtsabnahme schritt fort und es machte sich eine Anfälligkeit für weitere Krankheiten bemerkbar.

Bei den Rupfhühnern traten bisher folgende Begleiterscheinungen auf:
Sohlenballengeschwür (siehe rechts oben),
Flugunfähigkeit,
Hinken (Markhöhleneiterungen),
verdickte Zehe,
Schnabelbruch (siehe rechts).
Außerdem veränderte sich bei den Weibchen die Nasenhaut von braun über gelb nach blau.

8 Monate

Nach insgesamt acht Wochen entfernte ich die Krause, und Paula schien tatsächlich nicht - oder fast nicht - mehr zu rupfen. Dieses Bild  erweckte in mir zunächst die große Hoffnung, die kritische Phase sei nun vorüber und es würden außer den gerüschten Federn und der Flugunfähigkeit keine weiteren Folgen mehr auftreten.
Zwei Monate später jedoch starb der Vogel plötzlich, wobei die eigentliche Ursache nicht festgestellt werden konnte.

Ein Schlußwort

Mittlerweile habe ich seit Juni 1999 Rupfhühner im Bestand, seit über zwei Jahren also. Dabei frustrierte mich letztendlich einfach die Erkenntnis, daß wohl nicht einmal bei mir die Haltung optimal war. Hätte ich das Rupfhuhn Paula nicht übernommen, hätte sich vermutlich kein weiterer Vogel ein Beispiel an dieser Angewohnheit genommen - dennoch waren sie wohl nicht zufrieden...
Was war schlecht? Zum einen hatte ich zu viele Pärchen, und es traf zunächst die brutlustigen Weibchen, die ich jedoch nicht brüten lassen konnte. Und am Ende traf es dann den nervösesten der Männchen.
Aufgrund meiner Erfahrungen kann ich lediglich raten:
Nicht zu viele Wellensittiche halten, wenn man nicht brüten lassen möchte!

Vorsicht bei der Übernahme von seelisch gestörten Vögeln - wie man sieht, werden von Wellensittichen nicht nur gute, sondern auch schlechte Angewohnheiten kopiert!
Es muß nicht schief gehen, aber wie dieses Beispiel zeigte, kann es - und zwar erheblich!

In näherer Zukunft möchte ich weitere Berichte über rupfende Wellensittiche sammeln. Wer mir dabei helfen möchte, maile mir bitte.
Untenstehend einige Links zu anderen Rupfhühnern.

Andere Schicksale

Das gerupfte Hühnchen Bella (Carmen Spengler)

Micki - Heilung durch Freiflug (Sabine Struck)

Chronik eines Rupfers (René und Anja Grodde)


Als organische Ursachen werden beispielsweise Ekzeme, Pilze oder Leberfunktionsstörungen genannt. Ebenso können Parasiten in Haut oder Federn (beispielsweise Milben) ein vermehrtes Hautjucken verursachen, was im Extremfall zum Rupfen führt.
Es sollte abgeklärt werden, ob sich der Vogel die Federn tatsächlich selbst ausrupft. Dies ist oft schwierig, da Vögel oft heimlich rupfen.
Bei genauerer Betrachtung findet man bei ausgerupften Federn eine Druckstelle am Kiel, nämlich dort, wo der Vogel angezogen hat.

ein Rupfhuhn namens Ente
Wenn man beobachtet, daß ein Vogel rupft, sollte man auch auf organische Ursachen testen.

Romeo, Paula und Karl

Auch wenn scheinbar optimale Bedingungen herrschen: immer wieder gibt es Schwärme, in denen ein Vogel rupft (hier Paula, Mitte).
Möglicherweise sind manchmal die Bedingungen zu optimal, nämlich dann, wenn sich die Vögel zur Brut stimulieren, jedoch niemals brüten dürfen.

Paula, ursprünglich ein Gastvogel
Paula war jener Vogel, der das Selbstrupfen in meinen Schwarm "einführte". Drei weitere Vögel folgten ihrem Beispiel.

Paula, ursprünglich ein Gastvogel
Nur dieses Männchen lebt noch.

Karl: erste Lücken zwischen den Schultern
Ein Zufallsbild beim Schießen
von Flugbildern

veränderte Federn von Schmidtchen
Unvollständig entfaltete
Deckfedern

Luna und Schmidtchen
Diese beiden Weibchen rupften
sich sogar gegenseitig. Krausen hätten daher Einzelhaft bedeutet...

Federstiele von Schmidtchen (Dunenfedern)
Ausgerupfte Dunenfedern,
ebenfalls degeneriert

Paula
Paula mit Polyfollikeln

PolyfollikelHautschäden
Polyfollikel

steife Federstiele
Nachwachsende Federstifte
und Sohlenballengeschwür

gebrochener Oberschnabel
Gebrochener Oberschnabel

Paula, der "Dauerwelli"
Paula nach acht Wochen Krause

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